Die Psychologie hinter Mehrweg: Warum es uns schwerfällt, ökologisch zu handeln
Kurzfristiges statt langfristiges Denken
Ein zentraler Grund, warum nachhaltiges Verhalten manchmal schwerfällt, ist unsere Tendenz kurzfristige Bequemlichkeit höher zu gewichten als langfristige Folgen. Obwohl Mehrweg, zum Beispiel durch das reCIRCLE Netzwerk, heute bereits einfach zugänglich ist, nehmen wir den damit verbundenen Aufwand vereinzelt noch bewusster wahr, als er tatsächlich ist. Wir Menschen bevorzugen Entscheidungen, die uns sofort einen kleinen Vorteil bringen, statt langfristig einen grösseren. Die Nutzung von Einweg erscheint daher in diesem Moment als unkompliziert, während die positiven Auswirkungen von Mehrweg als nicht greifbar erscheinen. Diese zeitliche Verzögerung macht es unserem Gehirn schwer, nachhaltige Entscheidungen konsequent zu priorisieren.
Nachhaltigkeit als einfachste Option
Doch genau dieser Mechanismus bietet auch eine Chance. Denn wenn Bequemlichkeit unser Verhalten so stark beeinflusst, kann sie auch gezielt genutzt werden, um nachhaltige Alternativen zu fördern. Wenn Mehrweg standardmässig angeboten wird und Einweg nur auf ausdrückliche Nachfrage verfügbar ist, verändert sich das Entscheidungsverhalten automatisch. Menschen neigen dazu bei Voreinstellungen zu bleiben, weil dies am wenigsten Aufwand bedeutet. Daher empfehlen wir unseren Partnerbetrieben bewusst Mehrweg als Standard einzuführen. In unserem System gibt es bereits heute über 120 Gastronomiebetriebe, welche dieses Prinzip anwenden.
Soziale Normen und Gewohnheiten
Einwegverpackungen haben sich über Jahrzehnte hinweg etabliert und wurden für viele Menschen zur Selbstverständlichkeit. Seit den 1950er Jahren hat sich ein Verhalten entwickelt, das auf den ersten Blick einfach und effizient wirkt. Man nutzt eine Verpackung, entsorgt diese und betrachtet die Aufgabe als erledigt. Dieses Muster wird dabei kaum hinterfragt, weil es tief im Alltag verankert ist.
reCIRCLE als neue Gewohnheit
Diese Normalität ändert sich, je sichtbarer nachhaltige Lösungen werden. Menschen orientieren sich stark an ihrem Umfeld und daran, was sie täglich beobachten. Bewegungen wie Fridays for Future haben das Bewusstsein bereits geschärft und gezeigt, dass Veränderungen möglich wären. reCIRCLE knüpft hier gezielt an und macht Mehrweg im Alltag sichtbar. Wenn immer mehr Menschen mit den auberginefarbenen BOXen unterwegs sind, entsteht ein neues Gefühl von Normalität. Mehrweg wird nicht mehr als Ausnahme wahrgenommen, sondern als selbstverständlicher Teil des Alltags.
Entscheide dich darum bewusst für reCIRCLE. Norm Change. World Change.
Weiterführende Literatur: Steg, L., & Vlek, C. (2009). Encouraging pro-environmental behaviour: An integrative review and research agenda. Journal of environmental psychology, 29(3), 309-317. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0272494408000959
